Der Abwasserverband Braunschweig beabsichtigt im Rahmen des Projekts "Kläranlage 2030" die Ertüchtigung der Kläranlage Steinhof. Die Zentralkläranlage des Abwasserverbandes Braunschweig (AVB) in Steinhof reinigt täglich Abwasser von rund 280.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie zahlreichen Gewerbebetrieben der Stadt Braunschweig und zählt damit zu den größten Kläranlagen Norddeutschlands. Die in der Braunschweiger Kläranlage behandelte Abwassermenge entspricht dabei einer täglichen Belastung von bis zu 350.000 Einwohnergleichwerten (EW), ist jedoch nur für 275.000 EW ausgelegt und gilt damit als überlastet. Es konnte dennoch festgestellt werden, dass die bisher geltenden Anforderungen insgesamt eingehalten werden und dass die Kläranlage gut und zuverlässig arbeitet. Mit dem Braunschweiger Modell zur Wasserwiederverwendung (Verregnung von geklärtem Abwasser auf landwirtschaftlichen Flächen, Ackerbau und Biogasproduktion) genießt die Stadt Braunschweig bundesweiten Vorzeigestatus hinsichtlich einer nachhaltigen (Ab)wasserbewirtschaftung. Vor dem Hintergrund der zukünftigen Anforderungen, des Infrastrukturbestands und des besonderen Braunschweiger Modells wurde im Rahmen einer Studie eine Zukunftsstrategie für die Ausgestaltung der Kläranlage Steinhof erarbeitet. Dabei lag der Fokus auf der Elimination von Stickstoff, Kohlenstoff, Phosphor und anthropogenen Spurenstoffen aus dem Wasserpfad und der Vereinbarkeit mit der Wasserwiederverwendung. Die Betrachtungen in Hinblick auf die Verfahrenstechnik bezogen sich daher vor allem auf die Belebungsstufe und mögliche nachgeschaltete bzw. integrierte Einrichtungen zur weitergehenden Reinigung (4. Reinigungsstufe). Die im Rahmen der Studie entwickelten und untersuchten Varianten berücksichtigen auch mögliche Einflüsse auf die Verfahrensstufen zur mechanischen Reinigung sowie zur Schlammbehandlung mit ihren Bestandskapazitäten. Gegenstand des Auftrags ist die Planung und Umsetzung der im Rahmen der Studie ermittelten Vorzugsvariante, die den Neubau einer Membranbiologie vorsieht. Weitere Kernaussagen der Studie sind im Folgenden beschrieben. Die biologische Stufe zur Kohlenstoff-, Stickstoff- und biologischen Phosphorelimination (Belebungsbecken und Nachklärbecken, gestützt durch P-Fällung soll durch eine Membranbelebung (Neubau) ersetzt werden. Diese besteht aus mehrstraßigen Belebungsbecken und verschiedenen Kammern für die Membranmodule zur Abscheidung und Rückführung des Schlamms aus dem Wasserstrom. Eine Betonsanierung der Bestandsbecken entfällt. Verfahrenstechnisch soll die Denitrifikation (Stickstoffelimination) als Kaskade ausgeführt, um insgesamt das Beckenvolumen gegenüber anderen Lösungen zu reduzieren. Die freiwerdenden Bestandsbelebungsbecken werden (teilweise) als Mischwasserspeicher für eine Reduzierung von Abschlägen in den Vorfluter und zur Vergleichmäßigung des Zulaufs genutzt. Nicht genutzte Teile können zurückgebaut werden. Als 4. Reinigungsstufe kann eine Pulveraktivkohledosierung zur Adsorption anthropogener Spurenstoffe integriert werden. Die Kohle wird durch die Membran zurückgehalten, mit dem Überschussschlamm abgezogen und über die Klärschlammverwertung entsorgt. Gleiches gilt für das durch die Membran zurückgehaltene Mikroplastik. Eine Hygienisierung wird ebenfalls durch die Membran erreicht. Ggf. ist je nach Anforderungen an die Qualität auch der Einsatz einer zusätzlichen Desinfektionsstufe (UV-Licht) möglich. Für die Rieselfelder kommt ergänzend bzw. alternativ zur Pulveraktivkohledosierung in die biologische Stufe eine Nutzung als 4. Reinigungsstufe durch zusätzliche Aktivierung mit Kornaktivkohle in Frage. Diese ist derzeit noch Stand der Forschung. Die Rehabilitierung der biologischen Stufe erfordert einen tiefgreifenden Eingriff in die vorhandene Verfahrenstechnik einschließlich des Bereichs der Installierten Schlammbehandlungstechnologien. Durch einen Neubau der Belebungsstufe kann diese parallel zum Bestand errichtet werden. Anschließend erfolgt ein Umschluss. Bei dem ausgearbeiteten Zukunftskonzept handelt es sich um eine flexible Lösung, für deren einzelne Verfahrensstufen im Rahmen einer Planung genauere Spezifikationen zu ermitteln sind. Diese Flexibilität ist notwendig, um den sich in den kommenden Jahren konkretisierenden Anforderungen (Grenzwerte, Energiekosten, Nachhaltigkeit) begegnen zu können und den technologischen Fortschritt zu berücksichtigen. Zur Förderung einer nachhaltigeren Abwasserbewirtschaftung und zur Etablierung einer 4. Reinigungsstufe zur Verringerung des Eintrags anthropogener Spurenstoffe in die Umwelt, wurde ein Förderantrag gestellt. Die Gesamtkosten der Maßnahme werden auf rd. brutto 41 Mio. EUR geschätzt. Ein Baubeginn wird Anfang 2026 angestrebt. Die Inbetriebnahme soll in 2029 erfolgen.
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